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Schulmilchsituation in Hessen

Quelle: www.milchhessen.de

Leider gibt es an hessischen Schulen immer seltener Milch und Milchmischgetränke, wie z.B. Kakao, zu trinken. Dabei zählt Kakao zu den beliebtesten Getränken bei Kindern und Jugendlichen. War es früher eine Selbstverständlichkeit, dass Kinder an Schulen Schulmilch angeboten wurde, so haben sich diese Zeiten inzwischen geändert. Im Durchschnitt trinkt ein hessischer Schüler lediglich 1,1 Liter Schulmilch im gesamten Schuljahr. Rein rechnerisch entspricht das einer Menge von 0,006 Litern –also etwa einem Teelöffel– Milch pro Schüler und Schultag.

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Nur noch wenige hessische Schulen nehmen am EU-Schulmilchprogramm teil und bieten ihren Schülern Schulmilch an.

Gründe für den Rückgang im Schulmilchabsatz – Lösungsansätze
Die Ursachen für den seit Jahren sinkenden Schulmilchverbrauch sind vielschichtig. Nachfolgend sind exemplarisch die wichtigsten Gründe genannt, die dazu geführt haben, dass immer weniger Schulmilch an hessischen Schulen getrunken wird. Außerdem werden Anregungen und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie mögliche Probleme im Schulalltag bewältigt werden können.

a)    Eingeschränkte Verdienstmöglichkeiten beim Schulmilchverkauf
Oft wird der Verkauf von Schulmilch aufgrund geringer Verdienstmöglichkeiten abgelehnt und statt dessen auf lukrativere Einnahmequellen, wie z.B. den Verkauf von Limonaden / Colagetränke ausgewichen. Bei deren Verkauf kann der Preis frei kalkuliert werden – im Gegensatz zu Schulmilch, bei der Höchstverkaufspreise, die nicht überschritten werden dürfen, gesetzlich festgelegt sind. Aus diesem Grund ist die Gewinnspanne beim Schulmilchverkauf entsprechend gering.

Lösungsansatz: 
Mit einer Mischkalkulation lassen sich die eingeschränkten Verdienstmöglichkeiten beim Schulmilchverkauf teilweise ausgleichen: Andere Produkte werden etwas teurer verkauft, um die Gewinnspanne insgesamt zu erhöhen.
Außerdem muß Milch in der Schule nicht nur als ‚beihilfegestützte’ Schulmilch verkauft werden. Milch und weitere Milchprodukte können entweder über Lebensmittel-Großhändler bezogen oder im Einzelhandel besorgt und dann verkauft werden. Eine Beihilfe wird hierbei nicht gewährt. Dafür können die für ‚beihilfegestützte’ Erzeugnisse geltenden Höchstverkaufspreise außer Acht gelassen werden.

b)    Fehlende Schulmilchverkäufer
Früher hat oftmals der Hausmeister einer Schule den Schulmilchverkauf organisiert. Heute betreuen Hausmeister vielfach nicht nur eine Schule, sondern sind für mehrere Schulen zuständig. Das Hauptaufgabengebiet des Hausmeisters liegt auch nicht in der Organisation und Abwicklung des Pausenverkaufs, sondern in der Betreuung und Instandhaltung der Liegenschaft. Aufgrund der zunehmenden Arbeitsbelastung sinkt bei Lehrkräften ebenfalls die Bereitschaft, sich zusätzlich um den Schulmilchverkauf zu kümmern, zumal es für den zeitlichen Aufwand keine entsprechende Vergütung gibt. Darunter leidet der Verkauf von Schulmilch.

Lösungsansatz: 
Der Schulmilchverkauf läßt sich durch Eltern, Großeltern oder Fördervereine organisieren. In einigen Landkreisen gibt es Beschäftigungsgesellschaften, die die Bewirtschaftung eines Schulkiosks und damit den Schulmilchverkauf übernehmen können, z.B. Integral gGmbH (Landkreis Marburg-Biedenkopf), FAB gGmbH für Frauen, Arbeit, Bildung (Wetteraukreis).
Insbesondere an weiterführenden Schulen ist der Verkauf durch die Schülervertretung (SV) oder Schüler-AGs (mit Unterstützung durch Lehrer / Eltern) eine Alternative zum klassischen Verkaufsmodell durch Hausmeister oder Kioskbetreiber. Der Verkauf durch Schüler sichert nicht nur das Schulmilchangebot, er bietet zudem weitere Vorteile: Die Schüler erhalten hierbei die Möglichkeit, sich Kenntnisse und Fertigkeiten z.B. in Rechnungswesen, Wirtschaftslehre oder Marketing in der Praxis anzueignen. Zudem werden die sozialen Kompetenzen durch Teamarbeit geschult und verbessert.
Wenn sich der tägliche Schulmilchverkauf mangels Personal nicht realisieren läßt, ist zu überlegen, ob man Schulmilch nur an bestimmten Tagen in der Woche anbietet, beispielsweise als Milchtag immer montags und mittwochs.

c)    Ablehnung von Schulmilch in Einwegverpackungen
Immer wieder scheitert die Belieferung mit Schulmilch an der Bedingung: „Wenn Schulmilch, dann aber nur in der Glasflasche!“. In Hessen gibt es keine Molkerei, die Schulmilch in Glasflaschen abfüllt. In einigen wenigen Regionen wird Schulmilch in Glasflaschen aus anderen Bundesländern vertrieben.

Lösungsansatz: 
Leider steht beim Thema Schulmilch die Art der Verpackung oft im Mittelpunkt der Diskussion. Der Inhalt gerät über diese Diskussion teilweise völlig in Vergessenheit. Zum einen ist zu überdenken, ob dem Inhalt – sprich der Milch – in der Diskussion nicht mehr Bedeutung zugemessen werden sollte als der Art der Verpackung.
Zum anderen zeigen aktuelle Ökobilanzen, dass Mehrweg nicht die einzige ökologisch sinnvolle Lösung ist. Auf Grundlage der Studie „Ökobilanz für Getränkeverpackungen II/Phase 2“ hat das Umweltbundesamt den Getränkekarton als „ökologisch vorteilhaft“ beurteilt und damit den Mehrwegsystemen gleich gestellt.
Sicherlich ist es aus ökologischer Sicht notwendig, Kindern und Jugendlichen die Abfallproblematik zu verdeutlichen und ihnen mit gutem Beispiel voran zu gehen. Die Umwelterziehung darf aber nicht zur ‚Schwarz-Weiß-Malerei’ verkommen nach dem Motto „Mehrweg ist gut, Einweg ist schlecht“. Hier ist eine differenzierte Betrachtungsweise und die Berücksichtigung aktueller Ökobilanzen vonnöten. Wenn Schulmilch an hessischen Schulen in Glasflaschen verkauft wird, stammt sie aus anderen Bundesländern und hat entsprechend weite Transportwege hinter sich, was eine höhere Umweltbelastung zur Folge hat. In der Molkerei müssen Mehrwegflaschen mit hohem Aufwand chemisch gereinigt werden, damit sie den hygienerechtlichen Vorschriften genügen. Im Vergleich zu Mineralwasserflaschen ist der Reinigungsaufwand bei Milchflaschen um ein Vielfaches größer. Hinzu kommt, dass in der Schule Pfandflaschen in der Regel nicht ausgespült werden, wie es beispielsweise im privaten Haushalt der Fall ist. Zudem sind die Umlaufzahlen kleiner Schulmilchflaschen nicht vergleichbar mit denen größerer Gebinde. Außerdem sind Glasflaschen in der Schule aufgrund ihres Glasbruchrisikos nicht unproblematisch. Jede Verpackungsart hat also ihre Vor- und Nachteile.
Wenn in der Schule Schulmilch im Getränkekarton angeboten wird, ist es im Sinne der Umwelterziehung natürlich wichtig, geeignete Abfallsammelbehältnisse bereit zu stellen und die Schüler für die Getrenntsammlung zu sensibilisieren, damit eine sachgemäße Verwertung der Einwegverpackungen sichergestellt ist. Bei der Müllsammlung kann es hilfreich sein, nicht nur für Mehrweg-, sonder auch für Einwegverpackungen ein Pfandsystem einzurichten, um zu gewährleisten, dass die Verpackung letztendlich dort landet, wo sie hingehört.
Wer Müll vermeiden will, kann Schulmilch auch in größeren Gebinden beziehen. Die Abgabe von Schulmilch muß nicht in kleinen Gebinden von maximal 0,25 Liter pro Schüler erfolgen: Es ist ebenfalls möglich, Milch aus größeren Gebinden auszuschenken. Davon machen in der Regel Kindergärten Gebrauch. Schulen nutzen diese Möglichkeit eher selten.

d)    Mangelnde Akzeptanz von H-Milch
Einige Schulen lehnen den Verkauf von H-Milch als Schulmilch strikt ab mit der Argumentation, H-Milch sei eine tote Milch. Außerdem schmecke sie nicht. Da es nicht in allen Regionen in Hessen möglich ist, Schulen mit Frischmilch zu beliefern, wird den Schülern in der Konsequenz überhaupt keine Milch angeboten.

Lösungsansatz: 
Für Molkereien und Schulmilchlieferanten ist es aus wirtschaftlichen Gründen oft nicht mehr möglich, Schulen über weite Entfernungen mehrmals in der Woche mit Frischmilch zu beliefern. Hier ist H-Milch eine echte Alternative: Entgegen vieler Vorurteile ist H-Milch für unsere Gesundheit ebenso wertvoll wie Frischmilch. Auf den Gehalt und die Verwertbarkeit des Mineralstoffs Calcium hat die Erhitzung keinen Einfluß. Auch überstehen die meisten Vitamine die Ultrahocherhitzung – so wird das Verfahren bezeichnet, das die H-Milch haltbar macht – unbeschadet.
H-Milch weist einen stärkeren Kochgeschmack auf als Frischmilch. Wird H-Milch gekühlt getrunken, fällt der Geschmacksunterschied jedoch kaum ins Gewicht. Viele Personen sind dann nicht mehr in der Lage, H-Milch und Frischmilch zu unterscheiden. Deshalb sollte beim Schulmilchverkauf die Menge H-Milch, die pro Tag benötigt wird, im Vorfeld gekühlt werden. Bei Milchmischgetränken wie z.B. Kakao ist der Geschmacksunterschied zwischen H-Milch und Frischmilch, wenn überhaupt, nur minimal.
Es spielt keine Rolle, ob in der Pause zur Frischmilch oder zur H-Milch gegriffen wird – Hauptsache ist, es gibt Milch! Was als Schulmilch letztendlich zum Einsatz kommt, hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab: Nicht jede Schule ist beispielsweise in der Lage, größere Mengen Frischmilch zu kühlen. Bei Frischmilch muß der komplette Lagerbestand gekühlt werden. Die benötigte Menge ist aufgrund der kürzeren Haltbarkeit schwieriger zu kalkulieren. Die Bevorratung von H-Milch gestaltet sich unkomplizierter: Hier kann die Ware über einen längeren Zeitraum ungekühlt gelagert werden.

e)    Kritikpunkt Zuckergehalt in Milchmischgetränken
Ein häufig geäußertes Argument gegen Schulmilch ist der Zuckergehalt in Milchmischgetränken.

Lösungsansatz: 
Kinder und Jugendliche bevorzugen Milchmischgetränke, z.B. Kakao. Milch pur wird nicht so stark nachgefragt. Erfahrungen haben gezeigt, dass öfter zur Schulmilch gegriffen wird, wenn die angebotene Produktpalette groß ist und nach Belieben zwischen verschiedenen Sorten ausgewählt werden kann. Wird hingegen nur Milch pur verkauft, ist die Nachfrage oft so gering, dass der Schulmilchverkauf über kurz oder lang meist wieder eingestellt wird. In der Folge trinken die Schüler überhaupt keine Milch.
Zu bedenken ist außerdem, dass im Vergleich zu einem Zitronenfruchtsaftgetränk, dem 13 % Zucker zugesetzt werden, der Zuckerzusatz in ‚beihilfegestützten’ Milchmischgetränken bei weniger als 5 % liegt. Im Gegensatz zum Zitronenfruchtsaftgetränk hat Schulmilch außerdem viele weitere wertvolle Nährstoffe zu bieten!

Quelle: http://www.milchhessen.de/schulmilchsituation-hessen

Mehr Informationen:

Landesvereinigung für Milch und Milcherzeugnisse Hessen e.V. Lochmühlenweg 3
61381 Friedrichsdorf
 Tel.: 06172 71 06 2 91
Fax: 06172 71 06 2 96
E-mail: lv-milch@agrinet.de

 

 

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