Allgemein, Meinungen

Serie: Zucker im Kakao (1): Die Forderung

„Nur ungezuckerte Milchprodukte in Kindertagesstätten/ Kindergärten und Schulen!“ lautet die gemeinsame Forderung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), diabetesDE und der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), Anfang Oktober z.B. in Form dieser Pressemitteilung veröffentlicht:http://www.diabetesde.org/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/weltschulmilchtag-am-30-september-2015-keine-zuckerhaltigen-milchprodukte-fuer-kitas-und-schulen/

„Milch ist ein gesundes Nahrungsmittel für Kinder, insbesondere wegen ihrer Gehalte an Calcium, Protein und Jod. Daher befürworten wir grundsätzlich ein Schulmilchprogramm. Gesüßte Milchprodukte haben aber in Kita und Schule nichts zu suchen“ heißt es gleich zu Anfang.

Aber: Heißt das wirklich „Mich ist gut“ und „Kakao ist schlecht“? Machen die 4 Gramm zusätzlichen Zuckers pro 100 Milliliter wirklich die ernährungsphysiologischen Vorteile der Milch zunichte?

Ehrlich gesagt: Gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, scheint es mir schon ein wenig seltsam, ausgerechnet den Schul-Kakao an den Pranger zu stellen.

Wir essen Kekse und Marzipankartoffeln in rauen Mengen – zusätzlich zu den Nutellatoasts und zur ungesunden Fertigpizza, die wir sowieso ständig in uns reinstopfen. Und da soll der Kakao jetzt schlimm sein?

Ich habe nachgefragt, die Initiatoren angeschrieben und angerufen. Sie teilen meine Einschätzung, dass Kakao – verglichen mit Limonaden und Schokoriegeln – sicher nicht die größte Zuckerbombe im Schulalltag ist. Deshalb richtet sich ihre Kritik auch gar nicht gegen den Kakao als Nahrungsmittel, und schon gar nicht gegen die Milch, die von allen Beteiligten durchweg als „empfehlenswert“ eingeschätzt wird, obwohl auch sie auch Zucker – nämlich Milchzucker – enthält.

Ihnen geht es

  1. um die Förderung des Kakaos durch die EU und
  2. um den Bildungsauftrag von Schulen

Streng genommen sind sie keine „Kakao-Gegner“, sondern Gegner der „Kakao-Förderung“. Denn sowohl die EU als auch die meisten Schulen betrachten Kakao als „empfehlenswertes Lebensmittel“.

„Hier geht es primär nicht um eine Ernährungsempfehlung, sondern um die Subventionierung“ sagt Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Seine Kritik richtet sich in erster Linie gar nicht so sehr gegen den Kakao, sondern um die Förderung auch des Kakaos durch die EU. „Milch ist sehr gesund für Kinder, aber man soll nichts subventionieren, das unerwünschte Nebenwirkungen haben kann.“

Es geht nicht nur um den Kakao, es geht generell um die Schulen und ihre Aufgaben. „An Schulen sollten grundsätzlich keine gezuckerten Getränke angeboten werden, das schließt Limonaden genauso ein wie gesüßte Milchgetränke, z.B. Kakao, Vanille-, Erdbeermilch oder gesüßten Joghurt. Schon gar nicht sollte die Abgabe gesüßter Milchprodukte subventioniert werden.“ erklärt Dr. Stefanie Gerlach von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V., die für verbindlich umzusetzende Qualitätsstandards in der gesamten Schulverpflegung kämpft. „Die Geschmackspräferenzen werden in der Kindheit geprägt. Wir können heute nicht mehr davon ausgehen, dass Kindern in ihren Familien von klein auf eine gesunde Ernährung vorgelebt wird, die sie durch Nachahmung erlernen können. Die Politik kann aber nicht und sollte auch nicht in das private Leben der Familien eingreifen. Die Lebenswelt Schule sollte jedoch gesundheitsförderlich gestaltet sein, weil die Schule einen Bildungsauftrag hat. Ganz praktisch heißt das, dass die dort angebotenen Lebensmittel und Getränke gesundheitsförderlich sein sollten.“

Fazit: Streng genommen sind sowohl Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz und Dr. Stefanie Gerlach keine „Kakao-Gegner“, sondern Gegner der „Kakao-Förderung“. Denn sowohl die EU als auch die meisten Schulen betrachten Kakao nach die vor als „empfehlenswertes Lebensmittel“.