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Video: Schulmilch für Flüchtlingskinder in Rheinbach

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Engagierte Förderung für „Nullsprachler“ an der Gemeinschaftsgrundschule Sürster Weg -Videointerview mit der Konrektorin Ute Jansen

„Gratis Schulmilch für Flüchtlingskinder“ heißt die Initiative, mit der „Landliebe“ neu zugezogenen Kindern aus Krisengebieten schnell und unbürokratisch helfen möchte. Das Prinzip ist einfach: Schulen, die bereits am Schulmilchprogramm teilnehmen, informieren den Lieferanten über die Zahl der Flüchtlingskinder und der stockt seine Lieferungen um die entsprechende Anzahl an Päckchen auf. Kein großer Aufwand und trotzdem viel mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Mein ganz subjektiver Erfahrungsbericht:

„Wir sind die einzige Gemeinschaftsgrundschule in Rheinbach“ lautet die Antwort der Konrektorin Ute Jansen auf meine Frage, warum denn gerade ihre Schule so viele Flüchtlingskinder betreut. Die Schule muss mit einer Vielzahl neuer Schüler fertig werden, die aus dem Nichts auftauchen und die als so genannte „Null-Sprachler“ kein Wort Deutsch können. Alleingelassen in einer fremden Umgebung und in einem System, das ihnen völlig fremd ist, stehen sie da und schauen mit großen scheuen Augen um sich. Mir wird klar: Weil Ivana, Gaia, Soren, Afrim, Samir, Louis, Aleksandra, Sahadete, Ardian, Orgen aus unterschiedlichen Ländern kommen, verstehen sie sich noch nicht einmal gegenseitig. Kein Wunder, dass es manchmal Wochen dauert, bis ein neu eingetroffener Null-Sprachler das erste Mal den Mund aufmacht.

Umso erstaunlicher ist das, was ich sehe: Gutgelaunte Mädchen und Jungen, die im Kreis stehen und ein Spiel spielen: „Alle Kinder, die eine gelbe Jacke anhaben, tauschen die Plätze!“. Die Kinder helfen sich untereinander, selten habe ich so eifrige, bemühte und zugleich teamfähige Kinder gesehen. „Frau Brühl“ und „Frau Jilko“, die beiden Lehrerinnen, die für den Förderunterricht zuständig sind, haben Enormes geleistet.

Die Lernerfolge sind beachtlich und alle geben sich Mühe, die Kinder nicht als Außenseiter dastehen zu lassen. Da kam das Schulmilch-Angebot gerade recht, denn bisher gingen die Flüchtlingskinder leer aus, wenn in der Pause die Milch verteilt wurde. Der engagierte Hausmeister hatte die Aktion im Internet entdeckt und sofort die Schulleitung informiert. Aber die hatte Fragen: Fast alle der Kinder kennen Milch in irgendeiner Form – aber für welche bestellt man Milch und für welche Kakao? Ute Jansen entschied, vorerst für alle „Milch pur“ zu ordern. Damit man den Kindern nicht erklären muss, dass derjenige, der sich einmal für Kakao entschieden hat, sich nicht montags Kakao und dienstags Milch aus der großen Kiste holen darf. Schwieriger das nächste Problem: Gilt das Angebot von Landliebe tatsächlich nur für „Flüchtlingskinder“, also für Kinder, deren Eltern erst kürzlich aus Kriegsgebieten geflohen sind? Ute Jansen legt großen Wert darauf, dass alle Flüchtlingskinder gleich behandelt werden – ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Aufenthaltsstatus. Gabriele Johag, die beim Landliebe-Unternehmen FrieslandCampina Germany in Köln das Schulmilch- und damit auch Flüchtlingsprogramm verantwortet, pflichtet dem bei: alle Kinder, ob aus Bulgarien oder Syrien, sollen gratis Schulmilch und -Kakao erhalten und sich so in die Rituale eines ganz normalen deutschen Schulalltags einfinden können.

Ute Jansen wünscht sich, dass mehr Firmen dem Vorbild von Landliebe folgen und Schulen mit Sachspenden unterstützen. Die technische Ausstattung der GGS Rheinbach zum Beispiel sei hoffnungslos veraltet. Den Flüchtlingskindern sind die spartanischen Rahmenbedingungen erstmal egal. Sie herzen Ute Jansen und die anderen Lehrer, scheinen dankbar für jedes bisschen Aufmerksamkeit, sei es noch so klein. Ich finde, sie sind sehr tapfer.

Kontakt für teilnehmende Schulen: info@landliebe-schulmilch.de

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