Schule & Erziehung

Vortrag auf Schulleiterkongress: Ohne Zucker ist schlecht denken – für ein süßes Frühstück

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Neben dem Mittagessen will er auch das Schulfrühstück zur Chefsache machen: Günter Wagner, Ernährungsexperte vom Institut für Sporternährung e.V. in der Sportklinik Bad Nauheim, Mitinitiator von „Kinder in Kindertagesstätten, Schulen und Vereinen Bad Nauheim“ (KIKS UP) und Mitglied beim Institut für Gesundheitsförderung im Bildungsbereich (IfGB) e.V., Dortmund, schlägt auf dem Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf Alarm…

Freitagnachmittag, 16 Uhr. Während im Hauptsaal über den Umgang mit neuen Medien diskutiert wird und einige Aussteller schon ihre Stände abbauen, referiert Günter Wagner im zweiten Stock über Missverständnisse und Missstände im Bereich der Schulverpflegung.
Für ihn sei Ernährung kein Nischenthema, sagt der Ernährungswissenschaftler vom Institut für Sporternährung in Bad Nauheim, sondern im Gegenteil eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für gute schulische Leistungen. Die Realität sei nämlich mehr als traurig: Das Angebot bestimmt, was verzehrt wird. Eröffnet irgendwo eine neue Schule, sind Dönerbuden und Kioske schon für den Ansturm gerüstet, bevor der erste Schüler offiziell angemeldet ist. Im Gespräch sei – wenn überhaupt – immer nur das Mittagessen, gibt einer der anwesenden Schulleiter zu bedenken. Und das wenige Geld, das dafür zur Verfügung stehe. Welche Schule könne es da noch leisten, ihren Schülern zusätzlich ein ausgewogenes Frühstück zu präsentieren?

Ein Dilemma, entgegnet Wagner, denn irgendwie müsse dem über Nacht abgesunkenen Zuckerspiegel wieder auf die Beine geholfen werden. 20 bis 45 Prozent der Schüler verlassen ohne Frühstück das Haus. Falls sich überhaupt Frühstücksdosen in den Ranzen finden, sind darin entweder Pizzareste vom Vortag oder Schokoriegel. Möhrenstücke und Kohlrabischeiben sind für Kinder hingegen genauso ‚bäh’ wie ein Frühstück ohne Nutella.

Die Kinder haben recht, denn ohne Zucker ist schlecht denken, resümiert Wagner. Ein Schülerfrühstück müsse a) süß sein und b) den Zucker so mit Kohlenhydraten und Fetten kombinieren, dass die Denkleistung möglichst lange aufrecht erhalten bleibt. Wie aber können Schulen das mit kleinem Etat und wenig Aufwand realisieren? Eine kostengünstige Lösung, die beides gewährt: Kakao.

Seine Ausführungen dazu in der Zusammenfassung:

„Die roten Muskelzellen können aus Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß Energie gewinnen – die grauen Zellen hingegen leben allein von Glukose, also von Zucker“. Klar ist: Wer sich konzentriert, verbraucht Glukose – entweder frisch zugeführte oder in der Leber gespeicherte. Allerdings werde dabei häufig außer Acht gelassen, dass im Gegensatz zu Fett und Eiweiß, das im Körper reichlich eingelagert ist, nur etwa 300 bis 400 Gramm an Kohlenhydraten verfügbar sind. Die Folge: Die Konzentrationsfähigkeit lässt rasch nach. Traubenzucker kann zwar kurzfristig helfen, größere Mengen treiben aber den Insulinspiegel zu schnell in die Höhe. Das lässt das Zuckerniveau im Körper wieder rasch absinken. Milchmischgetränke hingegen helfen durch ihre Zusammensetzung aus Wasser, Eiweiß, Fett, Milchzucker und eben Glucose oder Zucker dem Körper zu einem gleichbleibend hohen, physiologisch nutzbaren Blutzuckerspiegel. Und jetzt kommt der Kakao ins Spiel, der entsprechend den Studien in Bad Nauheim, Dortmund und Erlangen-Nürnberg als effektive Denkernahrung das ideale Pausengetränk für Schüler ist. Die hier im Cross-Over-Vergleich durchgeführten Studien beweisen, dass der Konsum von Kakao den IQ von Schülern sofort um 5-7 Punkte verbessern kann. „Kakao hat in den Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit wahrscheinlich deshalb so gut abgeschnitten, weil dem Gehirn über den beigefügten Zucker zusätzliche Glukose zugefügt wird, ohne aber – und das ist der Unterschied z.B. zur Limonade – ohne dass der Blutzuckerspiegel so drastisch ansteigt, dass es zu einer reaktiven Hypoglycämie kommt“. Gerade das Milchfett trägt dazu bei, dass die Resorption nicht zu schnell erfolgt. Deshalb sei Kakao pure Denkernahrung. Nicht nur für Schüler – sondern für jeden, der über einen längeren Zeitraum geistig leistungsfähig bleiben will.

Die Präsentation „Schulverpflegung und geistige Leistungsfähigkeit“ kann hier angesehen und heruntergeladen werden.

Hier finden Sie ein Video-Interview mit Günter Wagner auf dem Lehrer-Internetportal „Teachtoday“ der Deutschen Telekom zum Thema Schulverpflegung und mentale Leistungsfähigkeit.