Wissenschaft

Kommentar: Quarks & Caspers am 7. April zum Thema Zucker

Kommentar zur WDR-Sendung „Quarks & Caspers: 7 Dinge, die Sie wissen sollten“ – Ausstrahlung vom 07.04.2015

Gestern Abend im WDR-Fernsehen: Eine sehr spannende Folge von Quarks & Caspers. Es ging um Zucker, vor allem aber um versteckte Zucker in Lebensmitteln. Demnach nimmt ein durchschnittlicher Deutscher pro Jahr 35 Kilo Zucker zu sich. Erschreckend! Der Zucker verbirgt sich überall, vor allem aber in Fertigprodukten, wo man den Zucker gar nicht erwartet, z.B. Tiefkühlpizza. Demgegenüber seien herkömmliche Süßigkeiten vergleichsweise harmlos. Außerdem wurde erklärt, dass Kinder eine Süß-Präferenz haben, die wahrscheinlich evolutionär begründet ist. Denn Süßes ist selten giftig. Und wer Kindern Süßes kategorisch verbietet, erreicht damit höchstwahrscheinlich das Gegenteil.

Apropos Kinder: Auch vor den Schulen stapeln sich laut Quarks & Caspers erschreckende Mengen von Zucker, dargestellt in Bergen oder Würfeln.
Ich frage mich aber in diesem Zusammenhang: Geht – vor allem vor diesem neuen Wissenshintergrund – die Diskussion über den Zucker in Erdbeer- oder Vanillemilch und Kakao nicht völlig an der Lebenswirklichkeit vorbei? Selbst wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass Laktose anders verstoffwechselt wird als z.B. Saccharose – also Industriezucker – und sich den ganzen Zucker bildlich durch Zuckerwürfel symbolisiert vorstellt, ergibt sich folgendes Bild: 250 ml Kakao insgesamt 20 g, die gleiche Menge Cola 27,5 g, , Tiefkühlpizza 22 g, eine Flasche Tomatenketchup 170 g, 400 g fertiger Kartoffelsalat 26 g, ein mittelgroßer Apfel 12,9 g… äähm… gibt es eigentlich irgendwelche Lebensmittel ganz ohne Zucker?

Ja, pures Fleisch! Salami ist gezuckert, die Panade vom Wiener Schnitzel auch. Und Linsen, weiße Bohnen und Karotten beinhalten sowieso Zucker. Schnell wird klar: Die Darstellung in Zuckerwürfelform hinkt nicht nur, sondern führt regelrecht in die Irre. Betrachtet man hingegen laienhaft die Fruktose im Apfel genauso wie die Laktose in Milchprodukten als „guten Zucker“, der nicht in die Berechnung eingeht, bleibt unterm Strich: 250 ml Kakao 10 g – eine Menge, die angesichts der „knapp 23 Teelöffel Zucker“, die wir laut Quarks&Co rein rechnerisch zu uns nehmen, fast zu vernachlässigen ist. Danke, WDR, damit hast Du nicht nur den Schulkakao rehabilitiert, sondern auch meinen Tag gerettet! Bisher habe ich mich nämlich beim Verzehr meines täglichen Schokoriegels immer ein wenig vor mir selbst geschämt. Jetzt, wo ich weiß, dass sich der böse Zucker sowieso überall versteckt, kann ich herzhaft zubeißen.

http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/zucker-zuckerinzahlen100.html

Zitat aus Quarks & Caspers:

Zucker in Zahlen:
Unerwartet hohe Zuckermengen fand die Verbraucherzentrale bei einem Marktcheck aber auch in beispielsweise fettreduziertem Fleischsalat (6,5g pro 100g), einem für Kinder ausgelobten Knusperbrot (36g/100g), einem Wellnessaufstrich mit Erdbeergeschmack (38,3g/100g), Erdbeerjoghurt (17g/100g) und Kakaopulver (38,100g). Und auch in Schinken, Rotkohl, Fertig-Salatdressing, Knusper-Müsli, Fertigpizza und Leberwurst ist Zucker enthalten. Eine Liste, die man ewig weiterführen könnte.

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks_und_co/videozuckerdingediesiewissensollten102